Impfpflicht / Spahn

Impfpflicht – Zwang oder Anreiz?

Jens Spahn will es wissen, die Impfpflicht soll kommen. Zunächst nur für Masern. Wir alle wissen, ist der Anfang erst gemacht, wird es eine generelle Impfpflicht geben. Vielleicht wird uns dann bald auch gesagt, was wir essen sollen, um den CO2 Ausstoß zu begrenzen?

Den Impfgegnern ist somit der Krieg erklärt, zum Schutz aller Menschen. Müssen wir folgen und was passiert, wenn wir uns weigern? Droht uns Gefängnis oder der Entzug des Sorgerechts für die Kinder? Viele offene Fragen, vor allem aber geht es bei dem Wort „Pflicht“ um die Haltung. Darf Politik in die körperliche Unversehrtheit eingreifen, sozusagen zwangsweise?

Das wird das Grundgesetz kaum zulassen. Wenn der Staat Vorgaben erlässt, die nicht beachtet werden, drohen Strafen. Denkbar sind finanzielle Kürzungen der Sozialleistungen, Ordnungsgelder oder die nachrangige Berücksichtigung bei staatlichen Leistungen wie Wunsch-Kita oder Schulplätzen. Vielleicht sollten wir über Kitas oder Schulen für Impfverweigerer nachdenken. Das erhöhte Risiko Ungeimpfter würde die anderen somit nicht belasten. Was auch immer wir tun, es bringt uns als Gesellschaft nicht weiter.
Die Errungenschaft unserer Gesellschaft ist Bildung, ist die Überzeugung unserer Bürger, was richtig ist. Das Vernünftige fördern. Der Bevormundungsstaat ist mit dem Mauerfall Geschichte geworden. Bitte, Herr Spahn: Jetzt keine Türen für eine Neuauflage öffnen.

Versuchen wir es anders: 

Impfanreize. Wir schaffen Impfanreize und leisten Überzeugungsarbeit.
Impfungen haben etwas Wunderbares: Sie verhüten Krankheitsausbrüche oder schwere Krankheitsverläufe. Impfungen schaffen genau das, was Menschen sich häufig wünschen – die Abwesenheit von Krankheit, Leid und Tod. Impfungen sind die größten Errungenschaften der Medizin. Seit Jahrzehnten werden sie sicherer und haben geholfen, Erkrankungen fast auszurotten.

Was spricht denn gegen das Impfen?:

Allergische Reaktionen auf Inhaltsstoffe, Komplikationen oder ein Erkrankungsausbruch beim Geimpften. Je nach dem, um welche Art von Impfstoff es sich handelt, bleibt ein Restrisiko für unerwünschte Wirkungen. Ein minimales Restrisiko. Ist unser Leben nicht aber ein einziges Risiko? Masern, Röteln, Kinderlähmung sind Krankheiten mit schwersten Risiken. Warum sollen wir uns nicht davor schützen? Können wir es erlauben, dass wenige Verweigerer den Schutz aller genießen, ohne Restrisiko? Unsere Gesellschaft hat sich mit der gesetzlichen Krankenversicherung dazu entschieden, Risiken zu teilen. Auch Restrisiken müssen geteilt werden.

Solidarität ist keine Einbahnstraße. Die Gesellschaft darf also erwarten, dass jeder einzelne auch etwas für die Gemeinschaft gibt. Steuern sind Standard, entgeltfreies Engagement wünschenswert und freiwillig. Leider haben wir bisher keine Währung, um freiwilliges Engagement wirklich zu würdigen. Wie aber locken wir in andern Bereichen unsere Bürger, wenn sie etwas für die Zukunft, für die Gesellschaft tun?
E-Autos werden gefördert, Benzinsteuer, Alkohol und Tabksteuer, wir können CO2-konform handeln etc. Was aber machen wir im Bereich Gesundheit?
Werden Geimpfte bevorzugt behandelt? Gibt es einen Beitragsnachlass oder bevorzugte Kita- oder Schulwahl?

Lieber Herr Spahn, alles ist besser als das Wort Impflicht und das damit verbundene Gefühl der Zwangsmaßnahme. Setzen Sie positive Impfanreize! Impfgegnern sollten wir Verantwortung für das eigene Handeln übertragen. Sichere Impfungen schützen lebende und zukünftige Generationen. Impfen erhält die Gesundheit, verhütet Leid und schützt uns alle. Welche Methode kann das von sich behaupten? Impfen ist für mich Bürgerpflicht, im Gegenzug bietet die Gesellschaft Solidarität und Unterstützung.

Ich selbst bin durchgeimpft und impfe mich und meine Kinder seit zehn Jahren jährlich gegen Grippe. Ich bin der Überzeugung, dass ich nicht jede Erkrankung durchmachen muss, um mein Immunsystem zu stärken, das geht auch leidensfrei. Und vor allem tausche ich erhebliche Lebensrisiken gegen ein kleines Restrisiko. Gibt es für mich eine Alternative zum Impfen? Eigentlich nicht, denn dann müsste ich es akzeptieren, für die Folgen meiner Erkrankung wissentlich verantwortlich zu sein, bei mir und meinen Liebsten. Und in aller Konsequenz darf ich dann die Solidarität aller nicht beanspruchen wollen.

Damit ist für mich klar, ich lasse mich impfen, ich schütze mich und übernehme damit auch Verantwortung für meine Familie und meine Mitmenschen.

Wie ist Ihre Meinung? Diskutieren Sie mit mir! Ich freue mich auf Ihre Beiträge.

Ihr,

H.-P. Schlaudt

Dr. Hans-Peter Schlaudt

Dr. Hans-Peter Schlaudt ist Experte für Krankenhäuser im Strukturwandel. Der Arzt und Manager gründete 1998 zusammen mit Dorit Müller die Unternehmensberatung JOMEC GmbH Healthcare Consulting+Management. Mit der Erfahrung von mehr als 25 Jahren in der Führung und Beratung im Gesundheitswesen will er nun mit dem Blog das Thema Gesundheitsversorgung auf die Tagesordnung setzen.